Sieger und Finalisten 2015
Start-up-Unternehmen

Die Sieger und Finalisten der 34. Wettbewerbsrunde stehen fest und wurden im Rahmen einer festlichen Gala und Preisverleihung am 21. März 2015 im Gesellschaftshaus Palmengarten in Frankfurt am Main ausgezeichnet.

Sieger

TerraNova Energy GmbH

TerraNova Energy GmbH

Patentrezept für Kläranlagen

Klingt unappetitlich, verspricht aber einen großen Nutzen: die Klärschlammbehandlung im Dampfkochtopf. Das junge Unternehmen Terra Nova Energy hat ein Kochverfahren entwickelt, das aus Klärabfall Flüssigdünger und Biokohle erzeugt. Der Ansatz ist wegweisend, das wird mit dem Innovationspreis der deutschen Wirtschaft in der Kategorie „Start-ups“ honoriert.

Die Verbrennung des Klärschlamms und bisherige Ansätze zur Energiegewinnung sind teuer und mit aufwendigen Transportwegen verbunden. Deshalb wird ein Großteil des Schlamms in Deutschland auf Äckern entsorgt. Und dass, obwohl dabei Schwermetalle und organische Schadstoffe wie Arzneimittelrückstände oder Hormone in die Umwelt gelangen. Die Weiterverarbeitung des Klärschlamms ist also nicht neu. Revolutionär ist hingegen, dass aus dem Abfallstoff in einem speziellen Verfahren zwei neue Produkte entstehen: Kohle und Düngemittel. „Unsere Klärschlammbehandlung ist zum einen wesentlich energieeffizienter als die Alternativen“, beschreibt Geschäftsführer Marc Buttmann das Verfahren, das er gemeinsam mit seinem Team von Terra Nova Energy entwickelte. „Zum anderen gewinnen wir wertvolle Nähr- und Düngestoffe aus dem Schlamm zurück – und reduzieren gleichzeitig die Schadstoffe.“ Das Rezept liest sich allerdings auf den zweiten Blick nicht ganz so einfach wie eingangs beschrieben. „Hydrothermale Karbonisierung“ nennt sich der Vorgang, den die Forscher im Jahr 2007 im Labor von Terra Nova entwickelt haben. Dabei wird der Klärschlamm unter Druck und Luftabschluss auf 200 Grad erhitzt und mit Katalysatoren versetzt, also mit Stoffen, die die Reaktionsgeschwindigkeit der chemischen Reaktion beschleunigen sollen. So entsteht Kohleschlamm, der im Anschluss durch einen Filter läuft. Danach bleiben im Sieb Kohlestückchen zurück, und die ablaufende Flüssigkeit wird zu Dünger verarbeitet. Die Kohle kann direkt als CO2-neutraler Brennstoff zur Energiegewinnung genutzt werden.

Finalist

Alacris Theranostics GmbH

Alacris Theranostics GmbH

Welche Behandlung ein Krebspatient erhält, hängt vor allem von der Größe des Tumors und dem betroffenen Organ ab. Da aber jeder Patient und jeder Tumor anders ist, schlägt die Standardtherapie bei vielen Patienten nicht an oder geht oft mit starken Nebenwirkungen einher. Das Jungunternehmen Alacris Theranostics hat deshalb einen neuen systembiologischen Ansatz entwickelt, der dieses Problem umgeht: „ModCellTM“ hilft Ärzten dabei, die richtigen und tatsächlich wirksamen Medikamente für jeden spezifischen Krebsfall zu finden. Dafür erstellt das System eine molekulare Charakterisierung des Tumors. Wie an einem virtuellen Patienten kann der Arzt dann unterschiedliche Medikamente auf ihre Wirksamkeit testen und die passende Behandlungsmöglichkeit identifizieren. In der Arzneimittelforschung lassen sich damit Wirkstoffe kostengünstig testen und die normalerweise zeitaufwendigen klinischen Studien einfach am Computer durchführen. Seit 2014 ist das Modell im Rahmen einer dreijährigen klinischen Studie an 30 Hautkrebspatienten im Einsatz.

Finalist

DB Sediments GmbH

DB Sediments GmbH

Der natürliche Fluss eines Gewässers sorgt normalerweise dafür, dass Sand oder Kies gleichmäßig weiter flussabwärts getragen werden. Staudämme unterbrechen diesen Ablauf, die Festteile sammeln sich als sogenannte Sedimente im Stausee an und gelangen nicht mehr ins Tal. Die Folge: Das Staugewässer „verlandet“. Im Stausee selbst wachsen infolgedessen die Algen so stark, dass das Gewässer unbewohnbar wird. Unterhalb der Staustufe fehlen die Sedimente, sodass Löcher im Flussbett entstehen, die die Stabilität des Damms gefährden. Bisher werden viele Stauseen komplett entleert, um eine Verlandung zu verhindern, während im Tal künstliches Sediment eingefüllt wird. Eine ökonomisch und ökologisch nachhaltige Lösung hat das Start-up DB Sediments entwickelt. Vollautomatische schwimmende Geräte erzeugen die nötige Bewegung. Sie pumpen die Sedimente innerhalb des Stausees an die Stelle, wo die Strömung stark genug ist, um sie weiterzutragen: zum Einlaufbereich der Turbinen. Von dort wird das abgelagerte Material in skalierbarer Menge in den Talbereich befördert.

Finalist

PolyCare Research Technology GmbH & Co. KG

PolyCare Research Technology GmbH & Co. KG

Häuser aus Wüstensand – das ist die Antwort von Polycare auf Umweltkatastrophen, die Hunderten Menschen plötzlich ihr Zuhause entreißen. 87 Prozent Wüstensand steckt in den Bauteilen, aus denen sich in Katastrophengebieten bedarfsgerechte Notbehausungen zusammenstecken lassen, ohne Vorkenntnis und einfach wie ein Legobaukasten. Das verwendete Material, der Polymereton, wird aus mineralischen Stoffen wie Sand oder Kies hergestellt. Als Bindemittel wird statt Zement Polyesterharz verwendet. Ist das Material einmal ausgehärtet, ist es nicht mehr verformbar, witterungsbeständig und extrem langlebig. Das modulare Stecksystem ermöglicht es, die Bauteile entweder dauerhaft zu verkleben oder so zu verschrauben, dass sie bei Bedarf wiederverwendet und umgebaut werden können. Im Gegensatz zum herkömmlichen Bau fällt dadurch beim Auf- und Umbau kaum Abfall an, teure Baugeräte erübrigen sich und weite Transportwege entfallen, wenn die Rohstoffe aus der Region kommen. Da freut sich nicht nur die Ökobilanz.