Stefan Kapferer, Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, Sabine Herold, DELO Industrie Klebstoffe (v. re.), Moderatorin Corinna Wohlfeil, n-tv, Dr. Joerg Dederichs, 3M Deutschland (li.)

Sieger & Finalisten 2014
Mittelständische Unternehmen

Messen, stecken, alamieren

Der Mittelstand ist das Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Das beweisen auch über 100 Bewerber der Kategorie „Mittelstand“.

Sieger

 

DELO Industrie Klebstoffe GmbH & Co KGaA

Wer kennt das nicht: Die Sonne scheint, und auf dem Mobiltelefon istmal wieder nichts zu erkennen. Mit einer Hand muss das Display vordem Licht abgeschirmt werden, während die andere Hand in den Einstellungen die Helligkeit höherstellt. Beim Navigationsgerät im Auto oder dem Fernseher im Wohnzimmer ist es das gleiche Spiel. Fast überall im Alltag finden sich Displays und Touchpanels, deren Anzeigen bei Helligkeit schwer erkennbar sind. Der Grund ist, dass Deckglas und Display nicht miteinander verklebt sind und es so zu Reflektionen des Lichts kommt. Wenn die Bildschirmhelligkeit erhöht werden muss, verbraucht dies mehr Strom.

Eine Lösung für dieses Problem ist das Verkleben von LCD und Deckglas. Die Schwierigkeit hierbei ist allerdings, dass der Klebstoff hinter dem Deckglas nur schwer aushärten kann. Denn häufig ist dieses nicht komplett transparent. Der von Delo entwickelte Spezialklebstoff dagegen härtet in zwei Schritten aus. Beim Verkleben wird Licht eingesetzt, damit der Produktionsprozess zügig ablaufen kann. In den Schattenzonen härtet der Kleber später über die Luftfeuchtigkeit in der Raumtemperatur aus. Diese Dualhärtung aus Licht und Feuchte ist weltweit einmalig. Das Verkleben von Deckglas und Display biete zudem den Vorteil, dass das Glas weniger leicht splittere, heißt es aus dem Unternehmen. Der Display-Klebstoff „made in Germany“ ist erst 2012 auf den Markt gekommen und hat bereits viele Abnehmer in der Automobilbranche gefunden. Und weil mittlerweile sogar Geräte wie Spülmaschinen oder Backöfen mit Displays ausgestattet sind, kann in den kommenden Jahren von einem rasant wachsenden Bedarf der Display-Branche ausgegangen werden. Im Jahr 2012 konnte der Mittelständler Delo seine Mitarbeiterzahl um 50 auf 350 erhöhen, für 2014 sind 90 Neueinstellungen geplant. Zudem ist erst im August 2012 ein neues Laborgebäude errichtet worden. Ein neues Produktions- und Logistikzentrum steht kurz vor der Fertigstellung.

Finalist

A. Eberle GmbH & Co. KG

Eine Schrecksekunde und danach nur noch Dunkelheit. Ein Stromausfall wäre für eine Industrienation wie Deutschland eine wirtschaftliche Katastrophe. Schätzungen gehen von einem Schaden von 13,6 Milliarden Euro
aus, sollte es einen Tag lang einmal duster bleiben. Energieversorger und Netzbetreiber wollen diese Situation tunlichst vermeiden. Ein neuartiges Messgerät des Nürnberger Mittelständlers A. Eberle könnte dabei helfen. Es erkennt mit Hilfe der sogenannten Wavelet-Analyse frühzeitig Signale einer Netzstörung und verschafft über ein Frühwarnsystem kostbare Zeit, um Gegenmaßnahmen zu ergreifen – damit ein Stromausfall gar nicht erst eintritt. Die Wavelet-Analyse ist dabei schneller als bisherige Warnsysteme oder Störschreibergeräte. Ein weiterer Vorteil des Messgeräts: Es kommt ohne teures Rechenzentrum aus. Mit nur 10.000 Euro Anschaffungskosten ist es deutlich günstiger als vergleichbare Systeme. Wird auch nur ein einziger größerer Störfall verhindert, hat sich das Messgerät wirtschaftlich bereits rentiert.

Finalist

Sikom Software GmbH

Sikom Software AG

Graffitti an Bauwerken ist ein Ärgernis. Mit verwackelten Schwarz-Weiß-Bildern von Überwachungskameras können die Täter häufig nicht identifiziert werden. Um Sprayer auf frischer Tat zu ertappen, hat das Heidelberger Unternehmen Sikom gemeinsam mit der Bosch Sicherheitssysteme GmbH eine Anlage entwickelt, die auf Geräusche sensibilisiert ist. Das Klacken der Mischkugel zum Beispiel oder das Sprühgeräusch werden von einem „Intelligent Audio Analysis“-System (IAA-System) erfasst. Wenige Augenblicke später ermittelt eine Software den Standort der Geräuschquelle und schickt die Daten mitsamt Alarmmeldung auf das Handy des Nutzers. Über eine App erfährt der Hausbesitzer wenig später von der Attacke. In der App kann er die Audio-Datei anhören und einen Lageplan mit Bewegungsprofil der Täter ansehen. Insbesondere für Sicherheitsdienste und die Polizei kann dieser Zeitvorsprung wichtig sein. Das System soll 2015 vorgestellt und überwiegend zur Überwachung von Zügen und Anlagen der Deutschen Bahn eingesetzt werden.

Finalist

Würth Elektronik ICS GmbH & Co. KG

Leiterplatten sind mit Kupfer übersäte, zumeist aus grüner Glasfaser bestehende Plättchen. Sie sind das Herzstück eines jeden elektronischen Gerätes, denn auf ihnen befinden sich alle elektronischen Bauteile und Relais. Üblicherweise sind die Halterungen dieser Bauteile auf der Platte angelötet. Doch das ist gar nicht notwendig, wie die erste lötfreie Leiterplatte des Elektronikherstellers Würth beweist. Das Unternehmen aus der Nähe von Heilbronn hat eine Leiterplatte entwickelt, auf der die elektronischen Bauteile über ein Stecksystem angebracht sind. Das Festlöten der Halterung entfällt. Damit wird nicht nur ein Arbeitsschritt, sondern es werden auch 50 Prozent des Materials eingespart. Zudem erleichtert das sogenannte SKEDD-Stecksystem im Falle eines technischen Defekts die Fehlerbehebung, weil die Bauteile problemlos herausgezogen und an anderer Stelle eingesteckt werden können. Durch den Wegfall der Lötstellen reduziert sich außerdem das Risiko von Kontaktierungsfehlern um die Hälfte.