Sieger und Finalisten 2015
Mittelständische Unternehmen

Die Sieger und Finalisten der 34. Wettbewerbsrunde stehen fest und wurden im Rahmen einer festlichen Gala und Preisverleihung am 21. März 2015 im Gesellschaftshaus Palmengarten in Frankfurt am Main ausgezeichnet.

Sieger

ISRA VISION AG

ISRA VISION AG

Automatisierung kinderleicht gemacht

Ein Mittelständler aus Darmstadt öffnet der Automatisierung die Augen und ermöglicht so kleinen Unternehmen den Einstieg in einst komplexe Produktionssysteme. Ein Siegerkonzept, nicht nur in der Kategorie „Mittelstand“ des Innovationspreises der deutschen Wirtschaft.

Lange Zeit war es Enis Ersüs Traum: Automatisierung einfach zu machen, so, wie man es zum Beispiel von der Bedienung eines iPhones her kennt. Der 62-Jährige ist Vorstandsmitglied und Gründer von Isra Vision aus Darmstadt, einem Hersteller von Lösungen im Bereich industrielle Bildverarbeitung. Isra-Produkte werden etwa zur Roboterführung in der automatisierten Produktion eingesetzt. Das heißt, hier machen nicht mehr Menschen die Arbeit, sondern Roboter, die „sehen können“ und so eine präzise Bearbeitung möglich machen. Das spart Kosten, und das Ergebnis ist in der Regel auch besser, weil der Qualitätsstandard automatisch eingehalten werden kann. „Gesucht werden neue Lösungen, die trotz veränderter Vorzeichen höchste Effizienz und Flexibilität in der Automatisierung gewährleisten“, so der Isra-Gründer. Diese Lösung wollte er finden, und präsentierte vor rund drei Jahren das Automatisierungssystem „Plug&Automate“. „Ich musste viele überzeugen, da fast keiner dieses System für möglich gehalten hätte.“ Das Revolutionäre an „Plug & Automate“: Der Benutzer kann die Automatisierung dank Schritt-für-Schritt-Anleitung selbst übernehmen, braucht also weder externe Experten noch eine spezielle Schulung. Die „Plug & Automate“-Sensoren bringen dabei Robotern das 3-D-Sehen bei. So können diese beispielsweise Dinge vom Band nehmen oder eine Palette abräumen. Aber auch komplizierte Aufgaben wie etwa das Ausräumen einer „Kiste“ werden möglich. Das ist besonders interessant für die Industrie, denn hier werden Teile für die Produktion vielfach in großen Kisten oder auf Paletten angeliefert.

Finalist

Arnold & Richter Cine Technik GmbH & Co. Betriebs KG

Arnold & Richter Cine Technik GmbH & Co. Betriebs KG

OP-Mikroskope gehören heute bei einer Reihe chirurgischer Behandlungen wie der Tumoroder Krebsentfernung zur Standardausstattung. Die Mikroskope machen dank starker Vergrößerung Details von Weichgewebe und Nervenbahnen sichtbar – und damit eine erfolgreiche Behandlung erst möglich. Hier will das „Arriscope“ des Münchener Medizingeräteherstellers Arnold & Richter neue Maßstäbe setzen. Als weltweit erstes volldigitales 3-DOP-Mikroskop kann es beispielsweise Krebsgewebe während des Eingriffs sichtbar machen. Patienten bekommen dadurch eine größere Chance auf eine vollständige Entfernung des erkrankten Gewebes. Zudem kann dank des Arriscopes die Operation in gleicher Qualität wie das Livebild auf einen 3-D-Monitor übertragen, mitverfolgt und aufgezeichnet werden. Die Bildqualität liegt mit 400 Megabytes pro Sekunde weit über dem heute verfügbaren Standard. Noch ist das Mikroskop nicht als Serie auf dem Markt verfügbar. Der erste seriennahe Prototyp wurde im Juni 2014 vorgestellt.

 

Finalist

Bender GmbH & Co. KG

Bender GmbH & Co. KG

Auf Intensivstationen oder bei großen Photovoltaikanlagen kommen sie zum Einsatz – sogenannte ungeerdete Netze. Ihr Vorteil gegenüber geerdeten Netzen: Bei einer Berührung oder einem Materialfehler, wodurch eine leitende Verbindung zur Erde hergestellt wird, kommt es nicht zu einem Kurzschluss. Um trotzdem den Fehlerstrom zu erkennen und zu beheben, braucht es Isolationsüberwachungsgeräte. Sie messen den Widerstand zwischen einzelnen Leitern und der Erde. Verändert sich der Widerstand, wird dies als Fehler festgestellt. Erfinder dieses Geräts ist Walther Bender, Unternehmensgründer der Bender GmbH aus Grünberg. Nach 75 Jahren der Patentanmeldung hat das Unternehmen das Gerät noch einmal grundlegend überarbeitet und mit dem „iso 685“-Isolationsmessgerät eine neue Gerätereihe auf den Markt gebracht. Anders als herkömmliche Geräte muss dieses beispielsweise bei der Installation nicht erst eingerichtet werden, es misst sich automatisch in die Anlage ein und konfiguriert sich selbst.

Finalist

IBG Technology Hansestadt Lübeck GmbH

IBG Technology Hansestadt Lübeck GmbH

Bis zum Jahr 2020 will die Bundesregierung 1 Million Elektroautos auf Deutschlands Straßen bringen. Doch ein Problem der umweltfreundlicheren Fahrzeuge ist häufig der hohe Kaufpreis, weshalb viele Interessenten vor der Anschaffung zurückschrecken. Das Unternehmen IBG will das mit dem „Vision Car“ und seiner revolutionären Bauweise ändern. Das Elektroauto lässt sich modular zusammenbauen. So hat die Firma passend dazu die Fertigungszelle „iProcell“ entwickelt, in der das Auto dezentral und automatisch von Robotern zum fahrbereiten E-Auto zusammengebaut wird. Die Vorteile: Das Elektroauto kann an jedem beliebigen Ort produziert werden, das spart Kosten, weil keine große Fließbandanlage für die Montage nötig ist. IBG will allerdings nicht selbst als Verkäufer von Elektroautos auftreten. Vielmehr ist ein Franchisemodell geplant, indem Wiederverkäufer Lizenzen erhalten. Als Zielgruppen stehen Konzerne mit Firmenflotte, der öffentliche Sektor, Carsharinganbieter und Händlergruppen im Fokus.