Burkard Petzold, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Daniel Büchle, AfB gemeinnützige GmbH (v. re.) mit Moderatorin Corinna Wohlfeil, n-tv

Sieger & Finalisten 2014
Innovative Personalkonzepte

Der Mensch im Mittelpunkt

Die Finalisten der Kategorie „Innovative Personalkonzepte“ zeigen mit unterschiedlichen Konzepten, wie aktuelle Personalkonzepte entlang der gesamten Wertschöpfungskette Impulsgeber für Innovationen sind.

Sieger

 

AfB gemeinnützige GmbH

Daniel Büchle mag Herausforderungen. Unternehmerisch erfolgreich sein, das kann jeder. Dabei aber noch einen sozialen Ansatz zu verfolgen, das machen nur wenige. Büchle will beweisen, dass ein Unternehmen, das zur Hälfte Menschen mit Handicap beschäftigt, mindestens genauso erfolgreich sein kann wie Mitbewerber – „wenn nicht sogar viel erfolgreicher“. Deshalb hat er gemeinsam mit Paul Cvilak im Jahr 2004 die Firma „Arbeit für Menschen mit Behinderungen“ gegründet, die ausgemusterte IT-Hardware aufbereitet, die sich darauf befindenden Daten löscht und die Geräte verkauft. Das Konzept: Menschen mit und ohne Behinderung arbeiten gleichberechtigt zusammen. Damit ist AfB Europas erstes gemeinnütziges IT-Unternehmen.

Konzepte wie dieses sind dringend notwendig. Im Jahr 2011 lebten in Deutschland 3,27 Millionen schwerbehinderte Menschen im erwerbsfähigen Alter. Und weil die Gesellschaft immer mehr altert, steigen die Zahlen. Im Jahr 2021 könnten es 3,4 Millionen sein, schätzt die Bundesagentur für Arbeit. Die Inklusion von Menschen mit Handicap im Beruf ist indes immer noch ein vernachlässigtes Thema. „Gerade im Berufsleben werden Behinderte und ihre Fähigkeiten häufig unterschätzt“, weiß Büchle. Die Angst vor Investitionen oder Vorurteile seien Gründe,weshalb Integrationsmaßnahmen ausblieben. „Natürlich muss man Investitionen tätigen, speziell ausgebildetes Personal zur Betreuung einstellen oder die Arbeitsabläufe anpassen“, sagt Büchle. „Aber was viele vergessen: Es gibt auch staatliche Förderungen.“ Um ein Beschäftigungsprogramm geht es AfB nicht. Nur den Hof fegen oder im Lager arbeiten, das komme nicht in Frage. „Die Inklusion findet in allen Bereichen statt: von der Akquise über Logistik und Buchhaltung bis zur Beratung im Verkauf und natürlich auch bei der Löschung der Daten auf der Hardware“, erklärt Büchle. Höhenverstellbare Tische, Autos mit Handgas oder flexible Arbeitszeiten für Personen, die keine acht Stunden durcharbeiten können: Inklusion erfordert Anpassungen, manchmal nur kleine, manchmal etwas größere. Doch unmöglich sei das nicht, sagt der Geschäftsführer. „Inklusion ist eine Frage des Wollens.“

Finalist

Evonik Industries AG

Ingenieure und Fachkräfte werden bei Evonik gelegentlich zeitweise ins Ausland entsendet. Die Projektaufenthalte dieser sogenannten Expatriates erfordern ein hohes Maß an Organisation. Für die Mitarbeiter sind Auslandseinsätze häufig ein Karrieresprungbrett. Doch bisher wurden Entsendungen individuell und im Einzelfall geplant. Das kostete Zeit, war undurchsichtig und kostspielig. Um effektiver und transparenter zu werden, hat Evonik ein zentrales Kompetenzzentrum für die Entsendung von Mitarbeitern geschaffen, das „Global Mobility Center“. Dem untergeordnet arbeiten fünf „Regional Mobility Center“. Ein regelmäßig tagendes Komitee entscheidet nun über die grundlegenden Richtlinien. Für reisewillige Fachkräfte gibt es jetzt Zusatzleistungen. So zahlt Evonik eine Pauschale für die Familientrennung und ermöglicht bei einem Einsatz an entlegenen Orten regelmäßige Urlaubs- und Heimflüge. Wenn Angehörige mit umziehen wollen, wird das unterstützt. Evonik gewährt zudem eine Sonderzulage je nach Häufigkeit und Komplexität des Auslandsprojekts.

Finalist

Jäger Direkt
Jäger Fischer GmbH & Co. KG

Den Fokus auf den Menschen richten, und das „von der Schulbank bis zum Ruhestand“ – das ist das Konzept des Herstellers für elektrotechnische Produkte Jäger Direkt. Mit dem Projekt „Gut drauf Leben“ möchte das 200 Mitarbeiter-Unternehmen aus Reichelsheim im Odenwald seine Attraktivität als Arbeitgeber stärken. Konkret bedeutet das, dass über gezieltes Marketing an Schulen neue Talente angeworben und gefördert werden – mit Erfolg: Auszubildende machen derzeit ein Fünftel der Belegschaft aus. Mitarbeiter, die sich mit kreativen Ideen und Vorschlägen einbringen, erhalten Prämienzahlungen. Außerdem hat der Mittelständler seine betriebliche Altersvorsorge ausgeweitet und bietet flexible Arbeitszeitmodelle für Eltern oder Mitarbeiter mit pflegebedürftigen Angehörigen. Für Jäger Direkt hat sich die „Gut drauf“-Strategie, die mit einer Investition von 250.000 Euro einherging, bereits bezahlt gemacht. Seit der Einführung 2013 sanken die Krankheitsstände und die Mitarbeiterfluktuation, was Indizien für ein gutes Arbeitsklima sind.

Finalist

Vodafone GmbH

Ein Campus, das klingt nach Universität. Und ein bisschen mag das passen für den Vodafone-Campus in Düsseldorf. Denn in der neuen Zentrale des Telekommunikationsunternehmens arbeiten 5.000 Mitarbeiter aus 54 Nationen. Der Komplex, der die einstigen sieben Düsseldorfer Standorte zusammenfasst, ist geprägt durch eine offene Atmosphäre, da es keine feste Sitzordnung mehr gibt. Stattdessen kann jeder seinen Arbeitsplatz frei wählen. Für die Mitarbeiter ergeben sich mehr Freiheiten und weniger Hierarchien, weil Führungskräfte nun inmitten ihrer Teams sitzen. Selbst der Vorstandsvorsitzende habe kein Einzelbüro mehr, heißt es. So erhofft sich Vodafone mehr Kreativität und Austausch. Mitarbeiter sollen künftig zudem eigenverantwortlicher entscheiden können, auch darüber, ob sie bis zu 50 Prozent ihrer Arbeit von zu Hause aus erledigen. Auf dem Campus tragen eine Kinderkrippe, ein Fitnessraum, eine Bibliothek, Geschäfte, Cafés und Lounges zu einer Verschmelzung von Arbeit und Freizeit bei. In die Entwicklung des Konzepts haben sich auch die Mitarbeiter eingebracht.